title

Kammer-Passagen

Pascale Schreibmüller

10.–26.03.2023

In ihrer Installation untersucht Pascale Schreibmüller das Zimmer 56 in seiner Bedeutung als Hotelzimmer. Vom pragmatischen Schlafplatz auf Geschäftsreisen, zur Ferienloge, hin zum sanktionsfreien Raum, der beispielsweise neue Formen von Sexualitäten entdecken lässt, bietet das Hotelzimmer Realitäten fern ab von Alltag. Sie inszeniert typisches Mobiliar des Hotels, hängt Spiegel an die Wände und installiert Lampen. Der Raum ist von Sounds erfüllt, die Schreibmüller in Resonanz zum Hotelzimmer eingefangen hat. Es sind Klänge, die Raum- und Zeitverschiebungen evozieren und die Beziehung zum Hotelpersonal, zu anderen Gästen und zur eigenen Hotelbiographie reflektieren lässt.

 

Schreibmüller versteht das Hotel als Heterotopie; ein in sich geschlossenes System, das nach eigenen Regeln, Ein- und Ausschlüssen funktioniert. Der Raum des Hotels kann so eine Potentialität jenseits  gesellschaftlicher Normen und sozialer Kontrolle schaffen, um Dinge zu erproben oder zu verwirklichen, die sonst nicht möglich sind. Andererseits erzeugt die Anonymität auch einen Ort der Einsamkeit – das Hotelzimmer steht im Spannungsfeld zwischen Möglichkeitsraum und Isolation.

 

Pascale Schreibmüllers multimediale Installation verstärkt und spiegelt die Charakteristika des Zimmers, macht uns der vielgestaltigen Möglichkeiten bewusst. Die Künstlerin lädt mit den installierten Spiegeln auch zur Selbstbetrachtung ein, in der das eigene Transformations- und Reflexionspotential untersucht werden darf. Die Spiegel bilden dabei eine Wirklichkeit ab und schaffen gleichzeitig einen Illusionsraum – was auch als Metapher für das Hotel gelesen werden kann. Die Hotelzimmer-Realität ist temporär, die darin enthaltenen Möglichkeitsräume örtlich und zeitlich begrenzt; doch ihre transformativen Kräfte können ausserhalb des Hotels, zurück im Alltag, bedeutsam bleiben.

 

Pascale Schreibmüller bedeutet die kontingente Allianz einer Theoretikerin, die gerne in- und durch den queerfeministischen Kuchen denkt, vernetzt und diskutiert;  einer Künstlerin, die sich transdisziplinär erprobt und bewusst verirrt, einer Soundforscherin, die Sounds verlernt, sich im Zuhören übt und Klänge (er)findet; einer Texter_in, die in scas schreibmühle Worte (ver)sucht  und sie zur Disposition stellt  und einer Hebamme, die Menschen ausserklinisch beim Elternwerden begleitet (make kin not babies!).

 

https://www.pascaleschreibmueller.net

 

In her installation, Pascale Schreibmüller examines Room 56 in its meaning as a hotel room. From a pragmatic sleeping place on business trips, to a vacation lodge, to a sanction-free space that allows, for example, new forms of sexualities to be discovered, the hotel room offers realities far removed from everyday life. She stages typical furniture of the hotel, hangs mirrors on the walls and installs lamps. The room is filled with sounds that Schreibmüller has captured in resonance with the hotel room. These are sounds that evoke shifts in space and time and allow the viewer to reflect on their relationship to the hotel staff, other guests, and their own hotel biography.

 

Schreibmüller understands the hotel as a heterotopia; a self-contained system that functions according to its own rules, inclusions and exclusions. The space of the hotel can thus create a potentiality beyond social norms and social control to try out or realize things that are otherwise impossible. On the other hand, anonymity also creates a place of loneliness – the hotel room stands in the field of tension between possibility space and isolation.

 

Pascale Schreibmüller’s multimedia installation reinforces and mirrors the characteristics of the room, making us aware of its multiform possibilities. With the installed mirrors, the artist also invites us to introspection, in which our own potential for transformation and reflection may be examined. The mirrors thereby depict a reality and simultaneously create an illusionary space – which can also be read as a metaphor for the hotel. The hotel room reality is temporary, the spaces of possibility it contains limited in space and time; yet its transformative powers can remain significant outside the hotel, back in everyday life.

 

Pascale Schreibmüller represents the contingent alliance of a theorist who likes to think, network, and discuss within and through the queerfeminist cake; an artist who tests herself transdisciplinarily and deliberately gets lost; a sound researcher who unlearns sounds, practices listening, and finds and discovers sonorities; a lyricist who searches for words in ’scas schreibmühle› and puts them up for disposition and a midwife who accompanies people in becoming parents outside of the hospital (make kin not babies!).

 

https://www.pascaleschreibmueller.net

Vernissage

09.03.2023, 18–21 Uhr

Die Künstlerin ist anwesend. Bezahlung an der Bar nur mit Bargeld möglich

Finissage

26.03.2023, 17–19 Uhr